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Product Owner - Rolle und Aufgaben im Scrum Team

Product Owner - Rolle und Aufgaben im Scrum Team
Product Owner im Scrum-Team

Was ist die Hauptaufgabe des Product Owner? Mehrwert für den Kunden schaffen!

Der Product Owner bereitet Kundenwünsche in Geschichten auf. Er gestaltet sie so, dass ein Entwickler Team sie als Produkt realisieren kann.

Welche weiteren Aufgaben er zu erfüllen hat und wie sich seine Arbeit vom traditionellen Projektleiter unterscheidet, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Scrum Product Owner - Aufgaben und Rolle

Rollenmodell in der agilen Welt

In der agilen Welt spielen drei Akteure eine wichtige Rolle: Scrum Product Owner, Scrum Master und Scrum Team:

  • Scrum Master: Im Gegensatz zum Product Owner trifft der Scrum Master keine inhaltlichen Entscheidungen. Der Schwerpunkt seiner Arbeit ist organisatorischer Art: In den Sprints agiert er als Moderator. Er hält dem Team den Rücken frei und vermittelt zwischen Product Owner oder Stakeholder. Der Scrum Master übernimmt als neutraler Dienstleister viele Verwaltungsaufgaben und entlastet damit sein Team, sodass sich dieses voll und ganz auf das Projekt konzentrieren kann. Der Scrum Master wacht über die organisatorische Schale des Entwicklungsprozesses, stellt benötigte Ressourcen zur Verfügung und beseitigt Hindernisse.
  • Team: In einem agilen Team sind genau die Rollen mit Personen besetzt, die den Liefergegenstand herstellen können. Ob Programmierer, Designer, Tester oder Architekt – wenn es notwendig ist, eignen sich die Teammitglieder das notwendige Wissen an. Ein typisches Scrum Team setzt sich aus fünf bis neun Personen zusammen.
  • Stakeholder: Sowohl im traditionellen als auch im agilen Projektmanagement werden Betroffene und Beteiligte als Stakeholder bezeichnet. Wichtige Stakeholder können Kunden, Auftraggeber, Sponsoren, externe Lieferanten oder andere Personen und Gruppen sein.

Der Product Owner

Der ideale Product Owner konzentriert seine Arbeit auf drei Abschnitte: Er gestaltet das Produkt, er arbeitet mit Scrum Master und Team zusammen und er umsorgt den Kunden und zukünftigen Nutzer seines Produktes.

Aus dieser Perspektive sollte sich ein guter Product Owner durch folgende Fähigkeiten auszeichnen:

  • Unternehmer: Er ist für den wirtschaftlichen Erfolg des Produktes verantwortlich. Damit er diese Funktion vollumfänglich ausfüllen kann, verantwortet er das Budget des Projektes. Seine unternehmerische Tätigkeit misst er mit betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wie Kapitalrentabilität (Return on Investment) und anderen Key Performance Indicators (KPI`s).
  • Gestalter: Der Product Owner entwickelt aus der Produktversion die Product Roadmap. Sie skizziert die notwendigen Etappen, um das Projektziel zu erreichen. Mithilfe des Scrum Teams erstellt der Product Owner sein wichtigstes Hilfsmittel: das Product Backlog.
  • Anführer: Der Product Owner füllt das Backlog mit Einträgen. Dazu zählen: Epics (sehr umfangreiche und große Kundenanforderungen), User Stories (Anforderungen aus Kundensicht) und Tasks (kleinste, nicht mehr teilbare Einheit im Backlog). Damit übernimmt er die inhaltliche Führung. Die Reihenfolge der Einträge priorisiert er selbst. Damit steuert er die Geschwindigkeit der Produktentwicklung. Falls Stakeholder oder Team neue Backlog-Einträge vorschlagen, entscheidet der Product Owner über deren Aufnahme. Wenn das Team die User Story fertiggestellt hat, entscheidet der Product Owner über dessen Abnahme.
  • Experte: Der Produkt Owner ist Produkt Experte. Ihm ist der Markt vertraut, auf dem seine Produkte oder Services angeboten werden. Er beobachtet seine Mitbewerber und kennt deren Preisgestaltung.
  • Kommunikator: Der Product Owner ist Kommunikator aus Leidenschaft. Er sorgt dafür, dass die Einträge im Backlog simple und verständlich sind. Um Missverständnisse zu vermeiden, steht er für Rückfragen bereit. Stakeholder bezieht er in die inhaltliche Diskussion ein und steht ihnen als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung.

Unterschiede zum traditionellen Projektleiter

  • Fachliche Tiefe: Der Product Owner ist fachlich tief mit seinem Produkt verwurzelt. Fragen zum Produktkern beantwortet er souverän, egal in welcher Detaillierungsstufe sie gestellt wurden. Sowohl engagierte Kunden (Early Adopters) als auch Laien holt er bei ihrem Wissensstand ab und geht empathisch auf ihre Fragen ein. Der traditionelle Projektleiter versteht sich als Organisator. Möglicherweise kennt er sich in den inhaltlichen Tiefen seines Produktes aus. Das wäre vorteilhaft. Voraussetzung für das erfolgreiche Führen seines Projektes, ist es jedoch nicht.
  • Entscheidungen treffen: Der Product Owner ist vollumfänglich für die Ausgestaltung und Fertigstellung seines Produktes verantwortlich. Er trifft eigenständig Entscheidungen, ohne sich in einer langwierigen Entscheidungsschleife mit einem Lenkungsausschuss zu verstricken. Das Mandat zum Führen und Entscheiden erhielt er von der Führungsebene seines Unternehmens.
  • Rollenverteilung: Wie der Product Owner bewegt sich auch das Entwickler-Team in einem größeren Aktionsradius. Sie nutzen die tägliche Abstimmungsrunde, dem Daily Scrum Meeting, um sich inhaltlich zu synchronisieren. Der Product Owner darf an diesen Runden teilnehmen und ist auch gern dort gesehen. Ein Rederecht besitzt er jedoch nicht. Für das Entwickler-Team ist das von großem Vorteil. So können sie sich auf ihre Arbeit konzentrieren, ohne umfangreich an einen fachlichen Vorgesetzten reporten zu müssen.

Zertifizierungen für Product Owner

Ein professioneller Handwerker verfolgt das Ziel, sich ständig weiterzubilden. Er möchte sein Wissen mit einem anerkannten Zertifikat dokumentieren.

Für den Product Owner bieten sich zwei Zertifizierungsstellen an: Scrum.org und Scrum Alliance. Beide bieten aufeinander aufbauende Weiterbildungsmodelle an.

  • Scrum.org: Professional Scrum Product Owner®, PSPO I und II
  • Scrum Alliance™: Certified Scrum Product Owner™, CSPO und Advanced Certified Scrum Product Owner™, A-CSPO™

Fünf Tipps für Product Owner

  • Behalten Sie die Bedürfnisse Ihrer Kunden im Auge. Des Product Owner wichtigste Aufgabe ist, die Funktionen auszuwählen und zu beschreiben und zu beauftragen, die den Kunden am meisten nutzen.
  • Von allen Akteuren im agilen Umfeld sollte der Product Owner das Produkt sowie dessen Umfeld am besten kennen. Beobachten Sie den Markt und behalten Sie Ihre Mitbewerber im Auge. Lesen Sie Fachzeitschriften, abonnieren Sie internationale Newsletter und Branchennachrichten, besuchen Sie Fachmessen und tauschen Sie sich mit Kollegen aus.
  • Vermitteln Sie Ihrem Kunden, warum Sie das Produkt in agiler Arbeitsweise produzieren. In IT-Unternehmen ist das agile Manifest verbreitet. Doch in anderen Branchen ist es weitgehend unbekannt. Leisten Sie Aufklärungsarbeit!
  • Vermeiden Sie Quermanagen: Das Daily Scrum ist kein Meeting für den Product Owner, der Statusreports entgegennimmt. Im Daily Scrum tauschen sich die Teammitglieder über das Vorgehen in den nächsten 24 Stunden aus. Kapern Sie das Meeting nicht für Ihre Zwecke.
  • Das Time-Boxing hat sich im agilen Umfeld bewährt. Die Akteure nehmen sich vor, ein bestimmtes Thema in einem vorher definierten Zeitfenster zu besprechen und zu entscheiden. Diese Vorgehensweise bietet für alle Beteiligten Planungssicherheit und zwingt sie zum Fokussieren auf das Wesentliche. Brechen Sie nicht den zeitlichen Rahmen.

Über den Autor

Werner Plewa
Projektmanager

Experte für berufliche Weiterbildung und Personalentwicklung. Kontaktanfrage gerne auch bei LinkedIn:


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