Agiles Projektmanagement - Werte und Prinzipien

In diesem Beitrag beschäftige ich mich mit der Frage: Projekte agil managen - kann das jeder? Wie muss man „sein“, um die Projektarbeit erfolgreich zu gestalten? Es geht um Mut und Offenheit, Respekt und Prinzipien im agilen Arbeitsumfeld.

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In meinem letzten Beitrag "Projektmanagement: klassisch oder agil?" berichtete ich über die Unterschiede zwischen traditionellen und agilen Projektmanagement. Dabei beleuchtete ich die Verfahren, die Akteure und die Werkzeuge beider Welten.

In diesem Beitrag geht es um die Werte wie Mut und Offenheit, Respekt und Prinzipien im agilen Arbeitsumfeld. Lesen Sie einen ganz persönlich gefärbten Beitrag.

Das agile Manifest und zwölf Prinzipien

Muss der Projektleiter besondere Fähigkeiten vorweisen, um agil arbeiten zu können? Um diese Frage zu beantworten, hilft ein Blick in das Manifest für agile Softwareentwicklung.

Eine Gruppe von Vertretern der iterativen und inkrementellen Entwicklungsmethoden kreierten es im Jahr 2001. Die Autoren - heute namhafter Softwareentwickler - diskutierten darüber, wie sie effektiver Software entwickeln können.

Sie setzten sich das Ziel, Software deutlich schlanker zu realisieren, als es bis dahin die traditionellen Modelle wie Wasserfall-Modell oder V-Modell umsetzten.

Stück für Stück hat sich das Manifest in der agilen Community etabliert, man kann fast sagen, dass es die philosophischen Grundgedanken des agilen Projektmanagements darstellt.

Heute, über fünfzehn Jahre alt, besitzt es volle Gültigkeit und reicht weit über die Grenzen der Softwareentwicklung hinaus.

Projektleiter aller Branchen und jenseits der Softwareentwicklung, bedienen sich dem Spirit des agilen Manifestes. Auch sie beschreiben Anforderungen in einem Backlog, entwickeln ihre Lösungen in Sprints und tauschen sich in Daily Scrums aus.

Zum Beispiel verwendet die Automobileindustrie oder die Immobilienbranche Elemente des agilen Projektmanagements. Beispiele finden Sie bei Porsche ( HERMA) oder im Real Estate, dem Grundstücksmanagement.

Man müßte die Väter des agilen Manifestes bitten, in der Überschrift das Wörtchen „Software“ durch die Begriffe „Lösungen“ oder „Kundennutzen“ zu ersetzen, um Zeitlosigkeit und Branchenunabhängigkeit zu signalisieren.

Aus dem agilen Manifest leiten sich zwölf Prinzipien ab

Hier und hier gibt es kompakte und grafisch schön gestaltete Übersichten - ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Ich fokussiere mich auf die drei wichtigsten Anforderungen an die Akteure für das agile Arbeiten:

  • Kundenzufriedenheit sicherstellen
  • Mit Veränderungen umgehen können
  • Im Projekt intensiv kommunizieren

Wie zufrieden ist der Kunde?

Zufriedene Kunden machen das Unternehmen erfolgreich. Wenn der Kunde das Produkt erwartungsvoll aus der Verpackung schält, es begeistert in den Händen wiegt und dabei murmelt (ich übertreibe ein wenig): „So habe ich es mir vorgestellt“, haben die Hersteller hervorragende Arbeit geleistet. Wenn Restaurantbesucher - nach schmackhaften Speisen und Getränken sowie einem umfassenden Service - dem Kellner ein sattes Trinkgeld spendieren, sind auch sie zufrieden.

Für Product Owner, Scrum Master und Team gilt: Wenn sie ihre Kräfte bündeln, um im Sinne des agilen Manifestes zu agieren, übergeben sie ihrem Kunden ein Produkt oder (Teil)-Funktion, die er erwartet. Und bewertet dieser den Liefergegenstand positiv, so ist ihr Ziel erreicht.

Eines der Prinzipien des agilen Manifestes ist: „Unsere höchste Priorität ist es, den Kunden durch frühe und kontinuierliche Auslieferung wertvoller Software zufriedenzustellen.“

In der Praxis generiert das Entwicklerteam mit jedem Sprint Mehrwert für den Kunden. Das kann es nur, wenn es dem Kunden zugewandt arbeitet. Ihre Antennen müssen auf Empfang gestellt sein.

Für den Product Owner ist es normal, Anforderungen im Backlog neu zu priorisieren, wenn es der Kunde denn wünscht. Für das Entwicklerteam ist es normal, sich an den Wünschen des Kunden zu orientieren. Das Beharren auf den ursprünglich erstellten Plan ist den Akteuren fremd.

Abschließend ein Hinweis: Das agile Manifest verwendet den Begriff Kunde auch im Sinne von Nutzer. Beide sind gleichwertig zu betrachten.

Sehen Sie Veränderungen als Chance

Traditionelle Projektleiter wollen Anforderungen möglichst umfassend zu Beginn des Projektes erkennen und spezifizieren. Das scheint schwierig, ich denke, es ist unmöglich. „Panta Rhei“ – alles fließt, erkannte der griechische Philosoph Heraklit bereits vor rund 2.500 Jahren. Nichts bleibt, wie es ist.

Unter diesem Aspekt haben agile Projekte und Expeditionen in unerforschte Gebiete Gemeinsames vorzuweisen. Für die Entdecker ergeben sich hinter jedem Berg und nach jeder Flussquerung neue Perspektiven.

Genauso stehen die Akteure im agilen Projektmanagement immer wieder vor neuen Situationen. Den Autoren des agilen Manifestes war das bewusst.

Deshalb verankerten sie ein weiteres agiles Prinzip: „Heisse Anforderungsänderungen selbst spät in der Entwicklung willkommen. Agile Prozesse nutzen Veränderungen zum Wettbewerbsvorteil des Kunden“.

Für Product Owner, Scrum Master und Team bedeutet das: Eindeutige Regeln und etablierte Routinen sind hilfreich für das tägliche Arbeiten, Veränderungen und Vielfalt sind jedoch bestimmend.

Aus diesem Gedanken lassen sich Werte für die Zusammenarbeit im Team ableiten. Gute agile Teams sind in der der Lage, aus der Situation heraus zu handeln. Statt unüberwindlicher Probleme sehen sie eher die Möglichkeiten, die sich ihnen bieten. Sie lieben es, neue Lösungen zu entwickeln und haben Spaß daran, neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Reden und zuhören - sonst geht’s schief

Eine erfolgreiche Strategie des agilen Projektleiters ist, in alle Himmelsrichtungen zu kommunizieren.

Offene Kommunikation ist ein Baustein zum Erfolg - sowohl im traditionellen als auch agilen Projektumfeld. Das agile Manifest unterstreicht die Wichtigkeit der Kommunikation in ihren Prinzipien mit dem Satz: „Die effizienteste und effektivste Methode, Informationen an und innerhalb eines Entwicklungsteams zu übermitteln, ist im Gespräch von Angesicht zu Angesicht“.

Was bedeutet das für das Wertesystem von Product Owner, Scrum Master und Team?

  • Offene Kommunikation im Projekt besitzt höchste Priorität.
  • Statt formal und per E-Mail zu kommunizieren, suchen die Beteiligten das persönliche Gespräch. Sonst schleichen sich zu viele Missverständnisse ein.
  • Stakeholder sind kontinuierlich auf dem Laufenden zu halten.
  • Besonders Product Owner und Scrum Master leben agile Werte wie Respekt, Vertrauen und Offenheit vor.
  • Sie empfinden es förderlich, wenn Entwickler und Kunden direkt miteinander reden.

Scrum Meeting

Mich persönlich beeindruckt das zielgerichtete Vorgehen in einem Scrum Meeting. Die Entwickler beantworten drei Fragen, die sich auf das Ziel des vorliegenden Sprints beziehen:

  • Was habe ich erreicht?
  • Was will ich als Nächstes erreichen?
  • Was behindert mich, das Sprintziel zu erreichen?

Effektiver geht es nicht! Besonders wenn alle Meeting-Teilnehmer an den Tischen stehen statt sitzen, entfaltet die knapp strukturierte Agenda ihre volle Wirkung.

Zeitgenossen, die gern über ihre Projektarbeit fabulieren, helfen die drei Fragen, statt abzuschweifen, kompakt zu reporten. Entwickler vom Typ Schweiger werden durch die drei Fragen ermutigt, über ihre Arbeit und Stolpersteine zu berichten.

Kurz: Im Daily Scrum steht die effektive Kommunikation im Vordergrund. Die drei Fragen, zielen darauf ab, zielgerichtet zu kommunizieren und sich auszutauschen.

Fazit

Aus meiner Sicht ergeben sich für die Akteure im agilen Projektmanagement mindestens zwei Herausforderungen:

  • Wer auf langfristige Fragen, einen unumstößlichen Plan erwartet mit eindeutige Antworten, muss sich umstellen. Agil arbeiten bedeutet immer, flexible auf Änderungen einzugehen.
  • Das heißt, die Akteuren müssen in der Lage sein, Unsicherheiten zu ertragen. Sicherlich braucht es ein wenig Zeit, die Möglichkeiten zu entdecken, die sich hinter einer neuen Situation verbergen.
  • Es reicht nicht aus, das agile Manifest zu kennen, das heißt, zu wissen, wo was geschrieben steht. Es reicht nicht aus, die Rollen des agilen Verfahrensmodells beschreiben zu können oder sich den Ablauf als Poster an die Wand zu heften. Jeder Beteiligte muss die Werte und Prinzipien des agilen Manifestes verinnerlichen und sie aktiv im Projektalltag leben.

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