Teambildung: In 5 Phasen zum erfolgreichen Projekt-Team!

Teambildung im Projekt

Teambildung im Projektmanagement

Neue Teams stehen vor neuen Herausforderungen: Je besser sie sich zusammenraufen, desto besser gelingt ihnen die Projektarbeit!

1965 visualisierte der Psychologe Bruce Tuckman mit einem verständlichen Modell, wie erfolgreriche Teams fünf Phasen einer Gruppenentwicklung durchlaufen. Heute, im modernen Projektmanagement sind seine Erkenntnisse immer noch gültig.

Sein Modell illustriert, dass jedes Team fünf Entwicklungsphasen durchläuft. Das passiert immer nach dem gleichen Muster: Wenn das Team sich neu gründet, wenn ein Mitglied die Gruppe verlässt oder wenn ein neues dazustößt. Projektgröße, Projektauftrag, Branche und Unternehmensumfeld spielen dabei keine Rolle.

Projektverantwortliche, die mit Tuckmans Fünf-Phasen-Modell vertraut sind, schaffen eine wichtige Basis für erfolgreiche Projekte.

 

Abschied von gestern

Björn spürte, wie der Zorn in ihm hochkroch. Der Neue ging schon wieder zum Fenster – nicht, um es zu öffnen und stoßweise zu lüften. Nein, er kippte es nur. Und sein Plan war wohl, es in dieser Position stehen zu lassen bis zum Ende des Arbeitstages. Kälte zog durchs Büro. „Brrr, wie in der Arktis“, fröstelte Björn. Hatte er nicht gerade durchgepustet? Er sah fragend zu Tim, doch der schrieb weiter an seinem Testkonzept, ohne aufzublicken. Björns Gedanken versammelten sich im Reptiliengehirn. Er sprang auf. „Der macht hier schon wieder den Hausmeister“, schimpfte er. „Das Fenster bleibt nicht auf Kipp. Entweder auf oder zu!“

Der Neue bekam von Björns Wutausbruch nichts mit. Er war mit dem Product Owner in die Kantine gegangen. Es gab wohl was Wichtiges zu besprechen.

Tim und Björn gingen in die Kaffee-Ecke. „Mir geht der auch mächtig auf den Zeiger“, stöhnte Tim. „Die reden wohl gerade über den neuen Auftrag. Den sollte ich bekommen.“ Björn und Tim waren sich einig. Sie mussten mit dem Neuen reden, ihn aufklären, wie es hier lief. Der Typ soll sich gefälligst einordnen und nichts durcheinanderbringen.

Tuckmans Fünf-Phasen-Modell

Auf dem Weg zum erfolgreichen Projektteam

Wenn sich eine Gruppe von Menschen zusammenfindet, um in einem Projekt zu arbeiten, braucht es Zeit, ehe sie an einem gemeinsamen Strang ziehen.

Insbesondere dann, wenn zu einem bestehenden Team neue Mitglieder dazustoßen. Es ist unerheblich, wie hoch die fachlichen Qualifikationen und wie gut die sozialen Kompetenzen der einzelnen Teammitglieder sind.

Welche Phasen fast jedes neu zusammengesetzte Team durchläuft und wie Projektleiter ihre Teams in den einzelnen Phasen optimal unterstützen, lässt sich am besten am Fünf-Phasen-Modell des Organisationsberaters und Psychologen Bruce Tuckman erklären.


1. Forming – Who is Who?

Die erste Phase einer Teambildung ist eine Zeit des gegenseitigen Abtastens und Vertrautwerdens. In einem neu zusammengesetzten Team bewegen sich alle Mitglieder auf fremdem Terrain. Die Teamkollegen sind meist unbekannt und die Rollen der einzelnen Teammitglieder noch ungeklärt.

Kein Wunder, dass in der Teamfindungsphase besonders zwei Emotionen das Gefühlsleben vieler Teammitglieder dominieren: Unsicherheit und Neugier.

Die Unsicherheit spiegelt sich meist in einem betont höflich-distanzierten Umgang mit den neuen Kollegen wider. Gleichzeitig neigen die Mitglieder dazu, das Verhalten der Teamkollegen scharf zu beobachten, um auszuloten, wer zu einem Verbündeten taugen könnte und wer sich eher als Kontrahent entpuppen wird.

Aufgabe des Teamleiters in der ersten Phase der Teambildung ist es, transparent und klar verständlich die Projektziele zu kommunizieren und die gemeinsame Schaffung für Regeln und Aufgabenverteilungen innerhalb des Teams zu initiieren.

2. Storming – Zeit der Selbstprofilierung

In Phase 2 rückt inhaltlich die konkrete Projektarbeit in den Fokus. Das birgt Konfliktpotenzial. Bei interdisziplinären Teams treffen unterschiedlichste Perspektiven aufeinander. Häufig ist zu beobachten, wie sich die anfänglichen Emotionen der Unsicherheit und Neugier in Wut-, Ohnmachts- und Frustgefühle wandeln.

In der Storming-Phase sind ausschweifende Diskussionen, oft auch regelrechte Machtkämpfe, typisch. Dem Teamleader kommt in dieser Phase der Teambildung die Aufgabe eines Mediators zu. In seiner Verantwortung liegt es, Konflikte offen anzusprechen und lösungsorientierte Gespräche auf Sachebene zu fördern. Daneben sollte die Führungskraft den Fokus der Diskussionen auf das gemeinsame Projektziel lenken.

3. Norming – aus „ich“ wird „wir“

In der Norming-Phase der Teambildung treten zwar kleinere Konflikte weiterhin auf, werden jedoch innerhalb des Teams sachlich und schnell behoben. Im Team wird eine offene Kommunikation praktiziert, teaminterne Regeln und Verhaltensweisen werden akzeptiert.

Insgesamt ist die Teamatmosphäre von gegenseitiger Anerkennung, Respekt und Wertschätzung geprägt. Die Arbeit wird innerhalb des Teams idealerweise so aufgeteilt, dass jeder Mitarbeiter optimal sein Fachwissen, seine Vorlieben und seine Fähigkeiten einbringen kann. Durch die zunehmende Vertrautheit entwickelt sich ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. Die Aufgabe des Teamleiters in der Norming-Phase ist es vor allem, einzelne Mitarbeiter zu unterstützen, ihre Rolle im Team zu finden und zu verfestigen. Auch die Überwachung, ob alle Teamregeln eingehalten werden, obliegt dem Projektverantwortlichen.

4. Performing – gemeinsam zu Höchstleistungen

Als Performing-Phase gilt der Zeitraum, in der das Team den Zenit seiner Leistungskurve erreicht. Das Team ist zusammengewachsen und die einzelnen Teammitglieder ergänzen sich optimal in ihrer Arbeit. Konflikte sind in dieser Phase selten.

Eine Gefahr, die die Performing-Phase birgt, ist, dass sich die Teammitglieder in einer neu gefundenen Komfortzone einrichten. Deshalb ist es nötig, dass die Führungskraft in der Performing-Phase die Zielerreichung des Projekts vorantreibt. Dies gelingt durch regelmäßige Teambesprechungen und die Förderung der einzelnen Mitarbeiter in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich.

5. Adjourning – Time to say goodbye

Mit der Adjourning-Phase geht die gemeinsame Zeit des Teams zu Ende. Nun heißt es, nicht nur von lieb gewonnenen Teamkollegen, sondern auch vom eigenen Aufgabenbereich während der Projektarbeit Abschied zu nehmen.

Oft ist diese Zeit für Teammitglieder durch Wehmut, Trauer und Angst vor einer ungewissen Arbeitszukunft geprägt. Aufgabe der Führungskraft muss es hier sein, die Teamleistungen angemessen zu würdigen und zu feiern. Die Mitarbeiter sollten außerdem ein persönliches Feedback zu ihrer Arbeit erhalten. Ferner kann die Führungskraft die einzelnen Teammitglieder unterstützen, neue Zukunftsaussichten im Unternehmen nach der Projektarbeit zu finden.

Praxis-Tipps für Ihre Projektarbeit

Wie können Sie das Wissen über Tuckmans Phasen-Modell für die Teambildung in Ihrem Projekt nutzen?


1. Wenn Sie ein neues Projektteam zusammenstellen, geben Sie den Mitgliedern Zeit, sich kennenzulernen.

2. Nach dem Kennenlernen kann es zu Konflikten kommen. Das gehört dazu. Moderieren Sie diese Auseinandersetzungen. Schlichten Sie sie!

3. Legen Sie Regeln der Zusammenarbeit fest.

4. Pflegen Sie eine offene Kommunikation.

5. Fördern Sie Ihre Mitarbeiter nach deren Fähigkeiten und Fertigkeiten.

6. Wer feste arbeitet, soll auch Feste feiern. Sorgen Sie für ein schönes Erlebnis zum Projektabschluss.

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Über den Autor

Werner Plewa

Projektmanager, Experte für berufliche Weiterbildung und Personalentwicklung. Kontaktanfrage gerne auch bei XING: