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Zwischen Nähe und Distanz: Erfolgreiche Teamführung

Die vielen Umfragen nach der Arbeitszufriedenheit enthüllen ein großes Maß an Frustration. Allerdings stellt sich die Frage, mit welchen Wünschen Mitarbeiter zur Arbeit kommen.

Freundschaft, Bestätigung, Zusammenhalt und Vertrauen? – Führungskräfte müssen ein Auge darauf haben, dass die Ideale nicht in den Himmel schießen.

“Der uralte Käse von vorgestern interessiert mich nicht”, schleudert der junge Kollege dem verdutzen Älteren ins Gesicht.

Er hatte es doch nur gut gemeint und den jüngeren an seinen Erfahrungen teilhaben lassen. Weshalb reagiert er so brüsk?

Möglich, dass der Ältere ungefragt die Rolle des Ziehvaters übernommen hat. So selten passiert es nicht, dass Mitarbeiter Muster und Erwartungen aus der Familie ins Team tragen.

Der Kollege kurz vor der Verrentung möchte die junge Kollegin als Ersatztochter sehen und die ältere Kollegin beginnt, den Neuzugang von der Uni zu bemuttern. Meist geschieht dies unbewusst. Aber die Konflikte sind vorprogrammiert.

“Wir sind wie eine große Familie”, heißt es manchmal. Gemeint ist ein Team mit starkem Zusammenhalt, Verlässlichkeit und Vertrauen – manchmal verbunden mit der Vorstellung von rückhaltloser Hingabe. Man teilt die Freizeit miteinander und schaut auch im Urlaub mal herein.

Der Wunsch nach zu viel Nähe führt zu Konflikten

Richtig ist, dass die meisten Menschen mehr Zeit mit ihren Kollegen als mit ihrer Familie verbringen. Da liegt es nahe, im Team ein Stück Heimat zu suchen. Nur bringt die große Nähe ihre Gefahren mit sich.

Der Wunsch nach Nähe kann zu einer Verlagerung der Schwerpunkte führen. Die Beziehung wird wichtiger als das Sachliche. Nur kann das am Arbeitsplatz nicht das Ziel sein.

Das Zuviel an Nähe empfinden manche Mitarbeiter als einengend. Sie weisen die Annäherungsversuche ihrer Kollegen zurück und lösen damit Frustration und Unverständnis aus.

Die Unklarheit über Nähe und Distanz führt zu doppelbödiger Kommunikation: Alle Duzen sich zum Beispiel und gehen zusammen zum Sport, aber der Chef trifft seine Entscheidungen doch alleine. Oder man grenzt sich voneinander ab und braucht sich aber doch.

Wünsche benennen und ausbalancieren

Fritz Riemann und Christoph Thomann haben sich mit dem Wunsch nach Nähe und Distanz beschäftigt.

In ihrem Modell haben sie vier Grundbedürfnisse ausgemacht, wobei jeder Mensch alle vier Bedürfnisse auf sich vereint, aber einen persönlichen Schwerpunkt hat:

  • Das Bedürfnis nach Nähe (Bindung, Zuneigung, Vertrauen, Sympathie, Geborgenheit)
  • Das Bedürfnis nach Distanz (Freiheit, Individualität, Eigenständigkeit, rationales Denken).
  • Das Bedürfnis nach Dauer (Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Planung, Verantwortung).
  • Das Bedürfnis nach Wechsel (Kreativität, Spontaneität, Risiko, Dramatik).

Wenn es in Ihrem Team zu unerklärlichen Konflikten kommt, können die unterschiedlichen Erwartungen ein Grund dafür sein.

Versuchen Sie, die Erwartungen zu klären, und eine Balance zwischen Beruflichem und Privatem zu finden. Vielleicht müssen Sie auch die Erwartungen dämpfen, denn ein Team ist als Ersatzfamilie überfordert.

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Über den Autor

Werner Plewa
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Projektmanager, Experte für berufliche Weiterbildung und Personalentwicklung. Kontaktanfrage gerne auch bei XING:

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