Fünf Irrtümer im Komplexitätsmanagement

Verbreitete, aber irrige Annahmen in Sachen Komplexität. Google wirft über 5 Millionen Suchtreffer aus: Die Komplexität hat unseren täglichen Sprachgebrauch erreicht. Doch worum geht es genau? Die Sache mit der Komplexität ist nämlich ganz schön kompliziert.

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Irrtum 1: Komplex bedeutet: „ziemlich kompliziert“

„Komplex“ bedeutet etwas anderes als „ziemlich kompliziert“ oder „ein bisschen komplizierter“.
In einem komplexem System stehen viele Elemente miteinander in Beziehung. Welche Verbindungen sie eingehen und wie sie aufeinander einwirken, ist ungewiss.

Komplex ist etwa die Frage, wie sich die große Zahl der Zuwanderer auf die Wirtschaft in Deutschland auswirken wird: Die Zuwanderer konsumieren und bringen so die Konjunktur voran. Zugleich entstehen Kosten für Wohnungen, finanzielle Unterstützung und vieles andere mehr. Selbst bei intensiver Analyse weiß niemand, wie die Bilanz ausfallen wird.

Irrtum 2: Wenn die Informationslage stimmt, entsteht Klarheit

Selbst wenn sich alle Forschungsinstitute Deutschlands den Folgen der Zuwanderung annehmen würden, bliebe das Ergebnis ungewiss: Das Verhalten von Menschen kann niemand berechnen. Eine plötzliche Stimmung kann eine Verhaltensänderung auslösen. Zusätzlich können äußere Faktoren neue Variablen ins Spiel bringen wie etwa eine Finanz- oder Wirtschaftskrise im Ausland. Eine komplexe Situation lässt sich nicht abschließend beschreiben.

Zudem führt das Übermaß an Informationen das menschliche Gehirn an seine Grenzen. Je größer die Informationsfülle, umso schwieriger fällt es Menschen die Faktoren zu beurteilen und zu bewerten.

Irrtum 3: Alle Situationen lassen sich als kausale Wirkungsketten beschreiben

Das Denken in Wenn-Dann-Beziehungen ist tief in unserer Kultur verankert. In schwierigen Situationen fallen wir automatisch darauf zurück. Doch nicht immer ist dies die richtige Strategie: Komplexe Systeme weisen Rückkopplungen und Wechselwirkungen auf, die sich einer Darstellung in Wenn-Dann-Beziehungen entziehen. Der Versuch, eine komplexe Situation auf die Art zu strukturieren und zu vereinfachen, ist menschlich, führt aber nicht zur Lösung.

Richtiger wäre es, zu experimentieren, und auszuprobieren, was am besten funktioniert. Doch dieses Verhalten ist unserer Führungskultur fremd.

Ein Mittelding stellen die agilen Methoden dar: Die Planung ist zwar nicht ganz aufgegeben, aber eine laufende Anpassung an sich ändernde Bedingungen ist eingeplant.

Irrtum 4: Eine Entscheidung ist entweder richtig oder falsch

Eine Entscheidung schafft Tatsachen und kann ihrerseits neue Interaktionen, Reaktionen und Wechselwirkungen anstoßen. Entscheidungen sind deshalb höchstens etwas günstiger oder ungünstiger.

Irrtum 5: Die Experten werden es schon richten

Experten neigen dazu, auf Erfahrungen der Vergangenheit zurück zu greifen. Doch eine Situation in der Vergangenheit ist immer etwas anders als die heutige. Impulse von außen sind deshalb ein wertvolles Korrektiv.

Über den Autor

Werner Plewa
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