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PMP-Zulassung: Welche Projekterfahrung zählt wirklich?

PMP-Zulassung: Welche Projekterfahrung zählt wirklich?

Sie möchten die PMP®-Zertifizierung machen, sind aber unsicher, ob Ihre bisherige Projekterfahrung ausreicht? 

Entscheidend ist nicht, ob auf Ihrer Visitenkarte „Projektmanager“ steht. 

Wir zeigen, welche Erfahrung PMI anerkennt, was nicht zählt und wie Sie Ihre Projekte im PMP-Zulassungsantrag (Application) überzeugend beschreiben.

Muss ich offiziell Projektmanager sein, um zur PMP®-Prüfung zugelassen zu werden?

Nein. Und genau das ist für viele PMP-Interessierte eine wichtige Nachricht.

Für das Project Management Institute (PMI) ist weniger entscheidend, welche Berufsbezeichnung in Ihrem Arbeitsvertrag steht. Entscheidend ist vielmehr, was Sie in Projekten tatsächlich getan und verantwortet haben.

Wer Projekte oder Teilprojekte geleitet, Stakeholder koordiniert, Entscheidungen vorbereitet, Termine und Risiken gesteuert oder Verantwortung für Ergebnisse übernommen hat, verfügt möglicherweise über relevante Projekterfahrung – auch ohne den offiziellen Titel „Projektmanager“.

Doch welche Erfahrung erkennt PMI konkret an? Was gehört nicht in den PMP-Antrag? Und wie beschreiben Sie Ihre Projekte so, dass Ihre Rolle nachvollziehbar wird?

Hier finden Sie die wichtigsten Antworten.

Welche Voraussetzungen gelten für die PMP-Zertifizierung?

Für die Zulassung zur PMP-Prüfung betrachtet PMI drei Bereiche:

  1. Ihren Bildungsabschluss,
  2. Ihre berufliche Projekterfahrung und
  3. Ihre Projektmanagement-Ausbildung.

Wie viel Projekterfahrung Sie nachweisen müssen, hängt von Ihrem Bildungsweg ab (dazu finden Sie in diesem Artikel weitere, detailierte Informationen).

Erforderliche Projekterfahrung

Mindestens 60 Monate:
Sekundar-/Schulabschluss entsprechend EQF Level 4

Mindestens 48 Monate:
Anerkannte postsekundäre bzw. berufliche Qualifikation entsprechend EQF Level 5

Mindestens 36 Monate
Bachelorabschluss oder höher bzw. entsprechend anerkannte Qualifikation auf EQF Level 6
 

Wichtig: Die angerechnete Projekterfahrung muss innerhalb der letzten zehn Jahre vor Antragstellung erworben worden sein. Außerdem dürfen sich die angerechneten Monate nicht überschneiden.

Zusätzlich benötigen Sie grundsätzlich 35 Stunden Projektmanagement-Training beziehungsweise eine entsprechend anerkannte Qualifikation.

Was gilt beim PMP als Projekterfahrung?

PMI sucht nach beruflicher Erfahrung, bei der Sie Projekte geleitet oder Projektarbeit verantwortlich gesteuert haben.

Ein Projekt ist dabei ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit einem konkreten Ziel. Es besitzt einen Anfang und ein Ende und soll ein bestimmtes Ergebnis beziehungsweise einen Wert schaffen.

Dabei kann es sich beispielsweise um die Einführung eines neuen Systems, die Entwicklung eines Produktes, die Veränderung eines Geschäftsprozesses oder die Umsetzung einer organisatorischen Initiative handeln.

Typische Beispiele für relevante Projekterfahrung

Anrechenbare Erfahrungen können beispielsweise entstehen, wenn Sie:

  • eine Software- oder Systemeinführung steuern,
  • ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung einführen,
  • einen Unternehmensprozess neu gestalten,
  • ein Veränderungsprojekt koordinieren,
  • ein Compliance- oder Regulierungsprojekt begleiten,
  • Kundenprojekte verantwortlich umsetzen,
  • einen Teilbereich eines größeren Programms leiten,
  • Projekttermine und Meilensteine steuern,
  • Risiken und Probleme bearbeiten,
  • Projektressourcen koordinieren,
  • Stakeholder einbinden,
  • Projektkommunikation verantworten oder
  • Ergebnisse und Liefergegenstände steuern.

Der entscheidende Punkt lautet:

Nicht Ihre Stellenbezeichnung entscheidet über die PMP-Zulassung, sondern Ihre tatsächliche Verantwortung im Projekt.

Auch ein Teamleiter, Business Analyst, Berater, Product Owner, Projektkoordinator, Implementation Manager oder Fachexperte kann relevante Projekterfahrung gesammelt haben.

Muss ich Projektleiter gewesen sein?

Nicht zwingend im Sinne einer offiziellen Stellenbezeichnung.

Sie müssen aber zeigen können, dass Sie Verantwortung für Projektarbeit übernommen und diese geleitet oder gesteuert haben.

Wer ausschließlich fachliche Aufgaben innerhalb eines Projektes ausgeführt hat, ohne Verantwortung für Steuerung, Koordination oder Ergebnisse zu übernehmen, kann diese Tätigkeit nicht automatisch als Projektleitung geltend machen.

Ein Beispiel:

Wenig aussagekräftig

„Ich habe bei der Einführung eines neuen CRM-Systems mitgearbeitet.“

Damit ist noch nicht erkennbar, welche Projektverantwortung Sie tatsächlich übernommen haben.

Aussagekräftiger

„Ich verantwortete die Planung und Koordination der CRM-Einführung für drei Fachbereiche. Dazu gehörten die Abstimmung der Anforderungen mit den Stakeholdern, die Terminplanung, das Risikomanagement, die Koordination der beteiligten Teams sowie die Vorbereitung des Rollouts.“

Jetzt wird deutlich:

  • Was war das Projekt?
  • Welche Rolle hatten Sie?
  • Was haben Sie gesteuert?
  • Mit wem haben Sie zusammengearbeitet?
  • Für welches Ergebnis waren Sie verantwortlich?

Genau diese Informationen sind für den PMP-Zulassungantrag relevant.

Welche Tätigkeiten zählen nicht als PMP-Projekterfahrung?

Nicht jede verantwortungsvolle berufliche Tätigkeit ist automatisch Projektarbeit.

PMI unterscheidet insbesondere zwischen temporärer Projektarbeit und dauerhaftem operativem Geschäft.

Nicht oder in der Regel nicht anrechenbar sind beispielsweise:

  • routinemäßige administrative Tätigkeiten,
  • wiederkehrende Linienaufgaben,
  • tägliche Standardprozesse,
  • private Projekte/Veranstaltungsplanung,
  • Renovierungs- oder Bauprojekte im eigenen Haushalt,
  • Schulprojekte oder
  • wissenschaftliche Arbeiten im Rahmen eines Studienabschlusses.

Ein gutes Beispiel ist der Kundenservice.

Wenn Sie jede Woche Kundenanfragen bearbeiten, handelt es sich um operatives Tagesgeschäft.

Wenn Sie dagegen ein zeitlich begrenztes Vorhaben leiten, um den gesamten Kundenservice neu zu strukturieren, Prozesse zu analysieren, Beteiligte zu koordinieren, ein neues System einzuführen und die Ergebnisse zu messen, kann dies sehr wohl Projektarbeit sein.

Die entscheidenden Fragen sind:

  • Gab es ein konkretes Ziel?
  • Gab es für das Vorhaben einen definierten Anfang und ein Ende?
  • War das Vorhaben beziehungsweise das Ergebnis in dieser Form einmalig?
  • Wurde durch das Vorhaben ein konkreter Nutzen oder Wert geschaffen?

Wenn Sie diese Fragen beantworten können, sollten Sie sich das Vorhaben genauer ansehen.

Welche Angaben gehören in den PMP-Antrag?

Für jedes relevante Projekt sollten Sie Ihre Rolle und Ihre Verantwortung nachvollziehbar darstellen können.

Hilfreich ist folgende Struktur:

1. Projektziel

Was sollte durch das Projekt erreicht werden?

2. Zeitraum

Wann begann das Projekt und wann endete es?

3. Ihre Rolle

Welche Verantwortung hatten Sie?

4. Ihre Steuerungsaufgaben

Welche Projektmanagement-Aufgaben haben Sie selbst übernommen?

Beispielsweise:

  • Scope und Ziele definieren,
  • Planung und Terminierung,
  • Ressourcen koordinieren,
  • Risiken steuern,
  • Änderungen bearbeiten,
  • Stakeholder einbinden,
  • Projektkommunikation organisieren,
  • Entscheidungen vorbereiten,
  • Ergebnisse überwachen und
  • Projektabschluss beziehungsweise Übergabe koordinieren.

5. Projektergebnis

Was wurde erreicht beziehungsweise welcher Nutzen wurde geschaffen?

Damit entsteht eine klare und nachvollziehbare Projektbeschreibung.

Der häufigste Fehler: Tätigkeiten statt Verantwortung beschreiben

Bei dem PMP-Antrag geht es nicht darum, möglichst viele Projektmanagement-Begriffe unterzubringen.

Viel wichtiger ist, dass nachvollziehbar wird:

Was haben Sie persönlich geleitet, gesteuert oder verantwortet?

Formulierungen wie

„Teilnahme an Projektmeetings“

oder

„Unterstützung der Projektleitung

sagen wenig über Ihre tatsächliche Projektverantwortung aus.

Beschreiben Sie stattdessen möglichst konkret Ihre eigene Rolle im Projekt.

Zum Beispiel:

„Ich koordinierte die Anforderungen von Vertrieb, IT und Kundenservice und führte diese in einem gemeinsamen Projektplan zusammen.“

Oder:

„Ich verantwortete die Terminplanung, überwachte die vereinbarten Meilensteine und koordinierte bei Abweichungen die erforderlichen Maßnahmen mit den beteiligten Stakeholdern.“

Dabei gilt allerdings auch:

Beschreiben Sie nur das, was Sie tatsächlich gemacht haben.

Die eigene Rolle künstlich größer darzustellen, hilft beim PMP-Antrag nicht.

PMP Antrag - Eingabe der Projekterfahrungen

PMP-Zulassung Antrag Erfahrungen
PMP-Antrag: Projekterfahrungen

Parallele Projekte: Monate zählen nur einmal

Ein weiterer wichtiger Punkt wird bei der Vorbereitung des PMP-Antrags häufig übersehen.

PMI betrachtet die Projekterfahrung in Monaten.

Wenn Sie mehrere Projekte gleichzeitig geleitet haben, können Sie denselben Kalendermonat deshalb nicht mehrfach anrechnen.

Beispiel

Sie waren beteiligt an:

Projekt A: Januar bis April
= 4 Monate

Projekt B: März bis Juni
= ebenfalls 4 Monate

Das ergibt für die PMP-Zulassung jedoch nicht acht Monate Erfahrung.

Die Monate März und April überschneiden sich.

Der relevante Gesamtzeitraum reicht von Januar bis Juni und entspricht damit sechs Monaten Projekterfahrung.

Sie können beide Projekte im Antrag aufführen. Für die Berechnung der erforderlichen Berufserfahrung werden die überschneidenden Monate jedoch nur einmal berücksichtigt.

Deshalb lohnt es sich, vor dem Ausfüllen des PMP-Antrags zunächst eine einfache Zeitleiste Ihrer Projekte zu erstellen.

Bevor Sie sich in das Onlineformular von PMI einarbeiten, sammeln Sie zunächst Ihre Projekte. Eine einfache Tabelle (Projekt, Zeitraum, Rolle, Verantwortung/Tätigkeiten) genügt.

Anschließend können Sie:

  • operative Tätigkeiten aussortieren,
  • überschneidende Projektmonate erkennen,
  • Ihre tatsächliche Projekterfahrung berechnen und
  • für jedes Projekt Ihre Projektmanagement-Verantwortung herausarbeiten.

Das macht das Ausfüllen des PMP-Antrags deutlich einfacher.

Projekte: Monate zählen nur einmal
Projekte: Monate zählen nur einmal

PMP-Selbstcheck: Zählt meine Erfahrung?

Nehmen Sie ein Projekt aus Ihrer beruflichen Vergangenheit und beantworten Sie folgende Fragen:

1. Hatte das Vorhaben einen klaren Anfang und ein Ende?

2. Gab es ein konkretes Ziel oder Ergebnis?

3. Habe ich Menschen, Stakeholder, Entscheidungen oder Arbeitspakete gesteuert?

4. Habe ich Verantwortung für Planung, Umsetzung oder Projektergebnisse übernommen?

5. Kann ich nachvollziehbar erklären, welchen Beitrag ich zum Projekterfolg geleistet habe?

Je häufiger Sie diese Fragen mit „Ja“ beantworten können, desto genauer sollten Sie prüfen, ob diese Erfahrung für Ihren PMP-Zulassungsantrag relevant ist.

Wenn Ihre Projekterfahrung noch nicht ausreicht

Was tun, wenn die Projekterfahrung noch nicht ausreicht?

Manchmal zeigt die Analyse auch, dass die erforderlichen Monate noch nicht erreicht sind.

Das ist kein Grund, Erfahrungen künstlich als Projekte darzustellen.

Stattdessen können Sie gezielt weitere Projekterfahrung sammeln.

Eine weitere Möglichkeit ist die CAPM®-Zertifizierung (Certified Associate in Project Management). Sie richtet sich insbesondere an Personen, die fundiertes Projektmanagement-Wissen nachweisen möchten, aber die Erfahrungsanforderungen der PMP-Zertifizierung noch nicht erfüllen.

Später kann darauf die PMP-Zertifizierung folgen.

Häufige Fragen zur PMP-Projekterfahrung

Muss auf meiner Visitenkarte „Projektmanager“ stehen?

Nein. Die Berufsbezeichnung ist nicht ausschlaggebend. Entscheidend ist, ob Sie in einem professionellen Umfeld Projekte beziehungsweise Projektarbeit geleitet und gesteuert haben.

Zählt auch Teilprojektleitung?

Grundsätzlich kann auch die Leitung eines Teilprojektes oder Workstreams relevante Erfahrung darstellen. Entscheidend sind Ihre tatsächliche Verantwortung und Ihre Führungs- beziehungsweise Steuerungsaufgaben.

Zählt die Mitarbeit in einem Projekt?

Die reine Mitarbeit allein reicht nicht zwangsläufig aus. Relevant ist vor allem, ob Sie Projektarbeit geleitet, koordiniert oder verantwortet haben.

Zählt operative Linienarbeit?

Regelmäßige, wiederkehrende operative Tätigkeiten gelten grundsätzlich nicht als Projektarbeit. Ein zeitlich begrenztes Vorhaben zur Veränderung oder Verbesserung dieser Prozesse kann dagegen ein Projekt darstellen.

Kann ich zwei parallele Projekte gleichzeitig anrechnen?

Sie können beide Projekte angeben. Überschneidende Kalendermonate werden für die erforderliche Projekterfahrung jedoch nur einmal gezählt.

Wie weit darf meine Projekterfahrung zurückliegen?

Nach den seit 2026 geltenden PMP-Zulassungsregeln muss die relevante Erfahrung innerhalb der letzten zehn Jahre vor Einreichung des PMP-Antrags erworben worden sein.

Wie detailliert sollte ich meine Projekte beschreiben?

Die Beschreibung sollte so konkret sein, dass Ihre Rolle, Ihre Projektmanagement-Verantwortung und das erreichte Ergebnis nachvollziehbar sind. Vermeiden Sie sowohl sehr allgemeine Beschreibungen als auch unnötig aufgeblähte Darstellungen.

Fazit: Entscheidend ist nicht Ihr Titel, sondern Ihre Projekterfahrung

ATP Premier Siegel
ATP Premier Siegel

Viele PMP-Interessierte unterschätzen ihre eigene Erfahrung, weil sie bislang nie offiziell die Stellenbezeichnung „Projektmanager“ getragen haben.

Das ist für die PMP-Zulassung nicht ausschlaggebend.

Entscheidend ist, ob Sie in einem professionellen Umfeld zeitlich begrenzte Vorhaben geleitet und Verantwortung für die erfolgreiche Umsetzung übernommen haben.

Bevor Sie Ihren PMP-Antrag stellen, sollten Sie deshalb:

  1. Ihre Projekte der letzten zehn Jahre zusammentragen,
  2. Projektarbeit von operativen Tätigkeiten trennen,
  3. überschneidende Projektmonate identifizieren,
  4. Ihre persönliche Führungs- und Steuerungsverantwortung herausarbeiten und
  5. Ihre Projekte klar, konkret und wahrheitsgemäß beschreiben.

Damit schaffen Sie eine gute Grundlage für Ihren PMP-Antrag.

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Quelle und weiterführende Informationen:
Project Management Institute (PMI): „How to Apply for the PMP: What Counts as Project Management Experience“, veröffentlicht am 28. August 2026
(https://www.pmi.org/blog/pmp-application-experience)

_____________

PMI® (Project Management Institute), PMBOK® (Project Management Body of Knowledge), CAPM® (Certified Associate in Project Management), PMP® (Project Management Professional), PMI-ACP® (PMI® Agile Certified Practitioner) are registered marks of the Project Management Institute, Inc.

PMI® is a service and trademark of the Project Management Institute, Inc. which is registered in the United States and other nations.

 

 

Über den Autor

Werner Plewa
Projektmanager

Experte für berufliche Weiterbildung und Personalentwicklung. Kontaktanfrage gerne auch bei LinkedIn:


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